In den vergangenen Tagen hat man den Unterschied zwischen den USA und Europa bei KI stärker gespürt als sonst. Ich möchte heute dazu die wichtigen Ereignisse und Gedanken mit dir teilen.
In diesem Beitrag heute:
Anthropic Claude Fable 5 ist das absolute top KI Modell, aber die US Regierung hat es für uns alle geblockt. Oh. Und jetzt?
Apples Siri AI kommt nicht zu uns in die EU, ein paar Worte zur Situation.
Was das praktisch bedeutet: Warum du nicht alles auf ein einzelnes Modell oder einen Anbieter setzen solltest.
Mein Stack Update: Ich habe meine Tool-Liste aktualisiert und erweitert. Unten findest du mehr dazu.
Eine kurze Fabel über Fable 5 und andere US vs EU Momente

Illustration von mir eine Fabel erzählend; Weavy + ChatGPT Img2
Vor wenigen Tagen hat Anthropic Fable 5 vorgestellt, das fähigste KI‑Modell bisher. Eigentlich hatte ich im Entwurf stehen, dir von der Entwicklung zu erzählen, wie wir dieses neue KI‑Modell für uns einsetzen können.
Wahrscheinlich hast du mitbekommen, dass kurze Zeit darauf die US‑Regierung das Modell per Exportdirektive blockiert hat. Wir können also vorerst als Europäer nicht darauf zugreifen. Das Ganze wurde wegen Sicherheitsbedenken blockiert. Und die Community ist hier 'n bisschen gespalten, denn viele haben die Sicherheitsfeatures als so überreagiert empfunden, dass es Beschwerden gab, dass das Modell kaum benutzbar ist für einige Anwendungsfälle. Auf der anderen Seite gab es Berichte, die die Hackbarkeit des Modells vermutet haben.
Jetzt frage ich mich natürlich: Was heißt das denn für uns, vor allem in der Zukunft? Wenn immer stärkere Modelle veröffentlicht werden, wir aber keinen Zugang erhalten, wie weit geht dann die Schere zwischen US West Coast und Europa auf?
Bessere Modelle sind ja weiterhin zu erwarten, gerade mit den Konkurrenzkämpfen um die Börsengänge von sowohl Anthropic als auch OpenAI. Logisch, KI-Entwicklung ist extrem teuer. Für uns heißt es aber auch vor allem, dass die Positionierungen sich weiterhin schnell ändern können, aber eben auch die Zugänge nicht sicher sind.
Für viele Anwendungsfälle, gerade in Richtung Automatisierung, benötigen wir nicht unbedingt die Frontier-Modelle. Heißt konkret: Für Newsletter-Ideen, Zusammenfassungen, Ads oder einfache Automationen reichen oft günstigere Modelle. Für Agenten, die eigenständig in Tools arbeiten, Termine verschieben oder Kundendaten anfassen, würde ich eher auf Top-Modelle setzen.
Ebenso eine Story mit US versus EU Gefühl ist Siri AI. Die neuen KI-Features, die Apple gerade vorgestellt hat, kommen erst mal nicht in die EU. Die EU sagt im Rahmen des Digital Markets Act, dass Apple wichtige Systemfunktionen nicht exklusiv für Siri reservieren darf. Wenn Apple also zum Beispiel seiner eigenen KI besondere Zugriffe gibt, müssen unter bestimmten Bedingungen auch konkurrierende Assistenten, ironischerweise wie ChatGPT, Claude oder wenn's dann europäische Modelle gibt, fairen Zugang bekommen können.
Der Digital Markets Act macht ja etwas Sinnvolles. Dem technischen Monopol Einhalt gebieten zu wollen, resultiert allerdings eher darin, dass die Funktionen einfach für EU-Bürger:innen nicht kommen oder extrem verspätet kommen. Die EU ist ein Markt mit 450 Millionen Menschen und viel Kaufkraft. Die meisten großen US-Tech-Firmen können sich nicht leisten, Europa einfach aufzugeben. Deshalb kommen die meisten Technologien am Ende doch. Aber der Geschwindigkeitsverlust von Monaten oder vielleicht sogar Jahren trägt natürlich zur eben beschriebenen Innovationsschere bei.
Gerade für Unternehmer, Entwickler und Wissensarbeiter ist es natürlich ein sehr großer Nachteil. Denn wenn US-Gründer heute beispielsweise sechs Monate früher Zugang zu neuen Agenten, APIs, Systemintegrationen und KI‑Modellen bekommen, können sie schneller Produkte bauen, schneller lernen, schneller Reichweite aufbauen und schneller Geld verdienen. Gerade in KI sind ein paar Monate aktuell eine Ewigkeit.
Wir müssen also jetzt darüber nachdenken, ob der Schutz vor Marktmacht gerade wichtiger ist als maximale Innovationsgeschwindigkeit. Und hierauf gibt's sicherlich keine einfache Antwort. In der Zwischenzeit: Lieber mit plattformunabhängigen Workflows arbeiten.
Was diese Woche noch los war
Vielleicht bekommen wir bald mehr Leistung für weniger Geld bei OpenAI. Es gehen Berichte umher, dass OpenAI bald die Preise für KI-Nutzung für Unternehmen senkt, um sich im Konkurrenzkampf zu positionieren.
Jeff Bezos hat diese Woche Schlagzeilen gemacht mit seinem KI‑Ingenieurprojekt. Er hat viel Geld eingesammelt, um KI-Tools für Top‑Ingenieure bereitzustellen. Seine These ist, dass Top‑Ingenieure noch mit jahrzehntealten Tools arbeiten und sich die Entwicklungsgeschwindigkeit radikal beschleunigen lässt, wenn man diese zeitgemäß weiterentwickelt.
Es gibt diese wunderbare Software Paperless NGX, die ist kostenlos und Open Source und hilft dabei, papierlos zu werden. Ich frag mich, warum ich das nicht schon früher benutzt habe und wollt das kurz erwähnen, weil ich es bei mir gerade als digitales Dokumentenarchiv implementiere.
Stack Update
Vielleicht weißt du's. Ich veröffentliche regelmäßig eine Liste mit den Tools, die ich selber benutze. Einfach weil es so viele verschiedene Möglichkeiten und Anbieter gibt, dass nicht jeder so viel Zeit investieren möchte (wie ich) in den Vergleich. Das ist also eine Empfehlungsliste mit dem, was für mich funktioniert, und ich habe schon von einigen positives Feedback dazu gehört, dass es ihnen geholfen hat, eine Entscheidung zu treffen oder etwas Spannendes Neues zu entdecken. Insgesamt ist die Liste besser strukturiert, auf den aktuellen Stand gebracht und du kannst sie dir hier ansehen.

Neu ist, dass ich die Liste als Datenbank pflege und um extra Tipps, Ressourcen und vieles mehr erweitere. Die Liste bekommst du kostenlos von mir zugesandt, wenn du eine Person als Leser:in für meinen Newsletter empfiehlst:
Beste Grüße
Georg
